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Bodenpflege: Haushaltsrobotik als Wegbereiter

Immer mehr vollautomatische Saugroboter sind in hiesigen Wohnungen zu finden. Der Trend geht zum hippen Zweitgerät. Über das Potenzial der intelligenten Putzhelfer in deutschen Haushalten und ihre Bedeutung für das Smart Home sprach elektrobörse handel mit Sebastian Klein von iRobot.

Saugroboter iRobot Roomba i7 Bildquelle: © iRobot

Seit vielen Jahren treten Firmen mit dem Versprechen auf, mit Robotern den Alltag der Menschen zu Hause zu erleichtern. Bis dato waren die meisten Geräte jedoch noch nicht ausgereift genug oder zu teuer, um einen Massenmarkt zu erschließen. Das scheint nun der Vergangenheit anzugehören, schenkt man den Daten des Marktforschungsinstituts GfK Glauben.

Noch am Anfang
Allein im ersten Halbjahr 2018 stieg demnach der Umsatz mit den smarten Putzhilfen in Deutschland um mehr als 100 Prozent an. Fuhr die erste Generation der elektrischen Helfer noch weitgehend planlos durch die Gegend, seien die neueren Geräte laut GfK mit Kameras und Sensoren ausgestattet: Sie erkennen die Räume, in denen sie eingesetzt werden, und fahren die Flächen effizient ab. Rund 60 Prozent der in der Bundesrepublik verkauften Geräte sind demnach bereits smarte Varianten. Der Absatz mit den Saug-robotern steigerte das gesamte Geschäft mit vernetzten Kleingeräten in Deutschland in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 um 75 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Diese Zahlen klingen zwar verheißungsvoll, doch sollte man sie differenziert betrachten: Laut Sebastian Klein, Geschäftsführer von iRobot in Deutschland, Saugroboter-Hersteller der ersten Stunde, stehen die Haushaltshelfer hierzulande noch ganz am Anfang. „Nach unseren Berechnungen“, so Klein, „sind wir mittlerweile weit über zehn Prozent der Bodenpflege nach Wert. Was sicherlich für unsere Kategorie relevanter ist denn als Stück, weil wir deutlich höhere Durchschnittspreise erzielen als der traditionelle Staubsauger. Und wir sind aktuell bei einer Haushaltspenetration als Kategorie zwischen drei und vier Prozent in Deutschland.“ Schaue man sich im Vergleich dazu die Durchdringung mit Spülmaschinen in deutschen Haushalten an, die bei über 85 Prozent liegt, verdeutliche das die Lücke, die es in den nächsten Jahren noch zu schließen gilt.

Ein weites Feld an Anwendungen
Was die klassischen Anwendungsszenarien von Haushaltsrobotern angeht, verweist Klein auf die drei Hauptfelder Saugen, Wischen und Rasenmähen. Und er ergänzt: „Sicherlich gibt es noch viele Anwendungsthematiken, die in der Zukunft dazu kommen werden, bei denen es einfach darum geht, den Kosten-Nutzen ins Verhältnis für den Endkunden zu setzen.“ Eine Kategorie, die ebenfalls durch die Robotik Entwicklungen erfahren hat, ist „Outdoor“. Hier sei man mittlerweile, was die Haushaltspenetration an Rasenmährobotern angeht, auf gleicher Höhe zum Thema Indoor. „Weil aber natürlich auch deutlich weniger Haushalte in Deutschland einen Garten haben, muss man ein bisschen aufpassen mit dieser Analogie“, gibt der iRobot-Geschäftsführer zu bedenken. Die Technik habe sich aber auch hier definitiv durchgesetzt, was sich bei einem Hersteller wie iRobot natürlich auch im Portfolio widerspiegele: Erst im Januar hat der Robotik-Pionier offiziell bestätigt, dass man an einem Outdoor-Rasenmäher arbeite. Weitere Informationen werden voraussichtlich im Laufe dieses Jahres bekanntgegeben. Ein weiteres Einsatzfeld: das Thema Fensterputzen. „Was deutlich komplexer ist als bodengesetzte Robotik“, führt Klein weiter aus. Man denke nur an den Aspekt der Versicherung. „Fenster und Sicherheit sind sicherlich zwei hochinteressante Felder, in denen es noch große Innovationssprünge zu erwarten gibt.“

Prognostizierte Zahl der verkauften Haushaltsroboter 2017 - 2025 Bildquelle: © Loup Ventures, International Federation of Robotics, Juni 2017

Erklärung zur Grafik: Verbraucher setzen immer mehr auf Roboterautomation, um tägliche Haushaltsaufgaben wie Staubsaugen, Kehren, Wischen und Rasenmähen auszuführen. Schätzungen der forschungsorientierten Risikokapitalgesellschaft Loup Ventures zufolge nähert sich die Nachfrage von Haushaltsrobotern bald einem Wendepunkt an: Private Haushalte werden demnach bis 2025 über 23 Millionen Haushaltsroboter nutzen, was einer Marktchance von 4,4 Milliarden US-Dollar entspricht. Voraussichtlich werden Roboterstaubsauger den größten inländischen Teilmarkt ausmachen, aber auch Roboterrasenmäher und Produkte für nasse Böden werden in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus geht die Gesellschaft davon aus, dass Fortschritte in der Bildverarbeitung und in den Roboterfunktionen die Entstehung neuer heimischer Robotermärkte ermöglichen werden. Zum Beispiel beginnen Unternehmen bereits damit, die Drohnen-Technologie für Heimsicherheitsanwendungen zu nutzen. Die beiden größten Katalysatoren für das Wachstum von Haushaltsrobotern sieht Loup Ventures in niedrigeren Stückkosten und einem zunehmenden Bewusstsein der Verbraucher für die Fähigkeiten von Robotertechnologien.

Im Fokus: „Busy Households“
Auf die Zielgruppe von Haushaltsrobotern angesprochen, führt Klein an: „Ich würde die nicht am Haushaltseinkommen festmachen. Sicherlich muss man sagen, Haushaltsrobotik hat circa den dreifachen Durchschnittswert wie ein herkömmlicher Staubsauger. Das bedingt ein Stück weit ein gewisses Haushaltseinkommen. Es ist uns jedoch viel wichtiger, dass wir eine Lösung für den Endkunden präsentieren.“ Deswegen schaue man vielmehr auf die Situation, die sich im Haushalt darstelle. „Wir sind sicherlich als Kategorie aus dem Stadium der Early Adopters raus“, so Klein. „Der vielreisende Geschäftsmann, der sich einen Haushaltsroboter als Statussymbol kauft – das kann nicht die Zielgruppe sein, um am Ende 85 Prozent Marktdurchdringung zu erreichen.“ Was iRobot in dem Zusammenhang vielmehr sieht, auch an Kundenrückmeldung und Feedback aus der Marketingabteilung, seien die sogenannten „Busy Households“ als Nutzergruppe – also Haushalte mit mehr als einer Person und insbesondere mit Kindern und/oder Haustieren. Weil speziell diese Kunden der regelmäßigen Reinigung und auch dem Thema Zeit eine hohe Wichtigkeit beimessen würden, stünden sie einem Haushaltsroboter sehr offen gegenüber. Speziell in diesem Zusammenhang lassen sich laut Klein große Unterschiede zwischen deutschem und US-amerikanischem Markt ausmachen. Grund hierfür sei eine gewisse Skepsis des deutschen Endkunden gegenüber jeglicher Art von Innovation. Das belegen auch Zahlen der Studie „Brands in Motion 2018“ von WE Communications. Sie zeigen, dass in Deutschland eine fast schon stereotype Skepsis gegenüber neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz und der Digitalisierung herrscht. Weltweit sind knapp 50 Prozent der Befragten überzeugt, dass innovative Technologien Effizienzsteigerungen oder mehr Nachhaltigkeit ermöglichen. Dagegen teilen lediglich 30 Prozent der Teilnehmer aus Deutschland diese Auffassung. Mit 77 Prozent ist die größte Sorge deutscher Verbraucher die Sicherheit ihrer persönlichen Daten, gefolgt von der Angst vor Hackern (72 Prozent). Eine weitere Herausforderung, die vor allem den deutschen Markt auszeichnet, ist die hiesige Handelslandschaft: „Wir haben in Deutschland eine sehr spannende, eine sehr fortgeschrittene bipolare Handelsstruktur zwischen den Onlinern und dem Fachhandel, die es gilt mit cleveren Sales- und Marketingstrategien gleichbedingt zu bedienen“, so Klein.

Sebastian Klein von iRobot Bildquelle: © iRobot

Sebastian Klein, Geschäftsführer von iRobot Germany: “Wir sind mit dem Thema Haushaltsrobotik unserer Meinung nach einer der klaren Anwendungsbeispiele des Smart Homes, denn an diesen und an der Konnektivität unter den Geräten mangelt es noch.” 

Eine weitere Challenge für iRobot ist das stetig wachsende Wettbewerbsfeld: Immer mehr Anbieter, auch Hersteller klassischer Bodenpflege-Produkte, gehen in die Entwicklung von Haushaltsrobotern. „Wir sehen das als großes Kompliment, weil wir jahrelang auf diesem Sektor nahezu alleine unterwegs waren“, sagt der Geschäftsführer. „Und wenn man dann in eine Haushaltspenetration gehen möchte, die ich genannt habe, benötigen wir den Wettbewerb.“ Hier grenze sich iRobot durch zwei Aspekte klar von den Konkurrenten am Markt ab. Erstens Vorsprung in Forschung und Entwicklung: „Wir haben weltweit mit Abstand das größte Team an Ingenieuren, das sich um Endkundenrobotik kümmert“, so Klein. „Wir forschen seit 20 Jahren, was sicherlich dem Thema Navigation aber auch physischen Lösungen einen Vorsprung bietet. Das spiegelt sich auch in unseren Produkten wider und das unterstreicht der Endkunde in dem Sinne auch mit seiner Kaufentscheidung.“ Hinzu kommt zweitens die Konzentration im Vertrieb und Marketing nur auf das Thema Haushaltsrobotik. Klein führt weiter aus: „Haushaltsrobotik ist komplex, aber es ist auch ein Innovationstreiber. Wir bewegen uns im Rahmen der Weißen Ware, aber auch des Smart Homes. Dies bedarf einer hohen Konzentration, was Vertriebsleistung und Strategie angeht, aber auch was den Invest auf Marketingseite angeht. Und da sind wir auch aktuell mit Abstand die einzigen, die das in den Sphären tun, wie wir es tun.“