Sie sind hier: HomeKleinelektroKlima

Smarte Temperatursteuerung: Ein Klima zum Wohlfühlen

Für rund 60 Prozent des privaten Energieverbrauchs ist laut Umweltbundesamt das Heizen verantwortlich. Wer also Energie sparen und nebenbei noch für Wohlfühltemperaturen in den eigenen vier Wänden sorgen will, ist mit einem intelligenten Klimamanagement gut beraten.

Eberle smarte Klimasteuerung Bildquelle: © Eberle

Die Temperatur abzusenken, etwa nachts oder wenn niemand zu Hause ist, lohnt sich: Ein Grad weniger spart bis zu sechs Prozent Energie. Doch zu kalt sollte man es auch nicht werden lassen, ansonsten macht starkes Aufheizen den Vorteil wieder zunichte. Ergo: Eine gradgenaue Lösung muss her. Das ruft funkgesteuerte, automatisierte Heizungsregelungen auf den Plan. „Passend zum Tagesablauf der Bewohner kann sie die Temperatur nach oben oder unten korrigieren“, heißt es im Pocket Guide „Smart Home“ von gfu und BVT. Für Ferienzeiten und Urlaubsreisen würden sich zudem Schaltpläne definieren lassen, exakter als es mit einem normalen Raumthermostat mit Nachtabsenkung möglich wäre. Hilfreicher Nebeneffekt: Drahtlose Sensoren erkennen gekippte Fenster, damit nicht versehentlich „die Straße geheizt“ wird. Die Steuerung via App beziehungsweise Smartphone bietet jedoch noch mehr Vorteile: Einige Systeme erkennen am GPS-Signal, wann der letzte Bewohner das Haus verlassen hat und beginnen dann den Sparbetrieb. Umgekehrt regeln sie die Heizung bei Annäherung an die Wohnung wieder hoch. „Die App ist das Herzstück der Systeme, schließlich steuert sie neben der Solltemperatur alle weiteren Funktionen“, betont Anne Dickau, SVP Products bei Gigaset. Deswegen seien hier eine logische und möglichst selbsterklärende Struktur und eine hohe Übersichtlichkeit besonders wichtig. Doch um sich nicht vollends von dem mobilen Alleskönner abhängig zu machen – denn nicht jeder hat ein solches Device und auch der Akku kann zur Neige gehen – sollte die Temperatur auch von Hand am Thermostat einstellbar sein. Mit Blick auf die Einrichtung einer solchen Lösung lassen sich grundsätzlich zwei Steuerungsarten bei der smarten Thermostatregelung unterscheiden:

  1. Bei der Ventilsteuerung handelt es sich um die Lösung für Wohnungen mit einem Thermostatventil an jedem Heizkörper: Das vorhandene Exemplar wird gegen ein batteriebetriebenes Motorventil mit Funkempfang ausgetauscht. Das geht in der Regel schnell und einfach ohne besonderes Werkzeug. Danach steuert eine App die Temperatur in jedem Raum individuell.
  2. Bei der Zentralsteuerung erhalten Gas-Etagenheizungen mit Therme oder der Kessel im Keller ihre Heizbefehle von einem zentralen Thermostat in der Wohnung. Damit sie nicht unnötig Wärme liefern, während das Ventil am Heizkörper schon wieder schließt, empfiehlt sich in solchen Fällen ein drahtloser Raumthermostat. Er regelt die Wärmezufuhr direkt an der Quelle, kann sie aber nur für alle Heizkörper gemeinsam steuern. Die Feineinstellung geschieht dann wie bisher am Ventil.

Do it yourself
Lichtsteuerung oder fernbedienbare Heizkörperventile sind nur der erste Schritt zum vollumfänglichen Smart Home. Von einem wirklich intelligenten Haus kann eigentlich erst dann die Rede sein, wenn alle Produkte zusammenarbeiten. Im Idealfall könnte man dann mit einem Tastendruck beim Verlassen der Wohnung überall das Licht löschen, während parallel die Heizung gedrosselt und wichtige Steckdosen vom Netz getrennt werden. Statt individueller Steuerprogramme für LED-Lampen, Videokameras und Raumtemperatur würde man eine gemeinsame App nutzen, die das Haus im Griff hat. Doch davon ist die Realität mitunter noch weit entfernt. Allein in Sachen Temperaturregelung gilt zu beachten, dass jeder Hersteller verschiedene Anschlüsse und Messeinheiten verwendet. Anne Dickau von Gigaset rät daher, auch wenn der Austausch eines Thermostats in wenigen Handgriffen erledigt sei, auf die Verwendung der richtigen Adapter zu achten. In der Regel ist die Integration smarter Funktionen im eigenen Haushalt ein Fall für den Fachmann und für die Gebäudeautomation mit leistungsfähigen Hausbus-Systemen. Heutige Funktechnik ermöglicht es Immobilienbesitzern und Mietern mittlerweile jedoch auch, einfach selbst Hand anzulegen: Systeme zur Selbstmontage aus dem Fachhandel setzen kein Fachwissen voraus – erfordern höchstens etwas Spaß am Experimentieren und Zeit zum Einrichten der Geräte. Im Mittelpunkt so einer Komplettlösung steht in der Regel die Funkbasis, die mehrere Aufgaben miteinander verbinden kann. Was passiert, wenn Bewohner einen Schalter betätigen oder der Bewegungsmelder anschlägt, legt der Administrator in den Systemeinstellungen fest. Licht, Heizung und Rollläden, aber auch Musik oder die Schaltsteckdose an der Kaffeemaschine reagieren dann auf eine zentrale Steuerung. Das schafft zudem Platz am Router, weil nur eine Basis mit Strom und Netzwerk versorgt werden will.

Andreas Bindner, Eberle Bildquelle: © Eberle

Andreas Bindner, Produktmanager bei Eberle

Anwender sollten in diesem Zusammenhang beachten, dass sie es sowohl mit offenen als auch nativen Systemen zu tun haben könnten: Ein Smart Home, das mit Funkstandards wie Z-Wave, Zigbee, WLAN oder DECT ULE arbeitet, ist theoretisch offen für Produkte der verschiedensten Hersteller. Solange die Basisstation das jeweilige Funkprotokoll unterstützt, lassen sich Sensoren, Regler und Geräte daran anmelden. Allerdings funktioniert das in der Praxis nicht immer ganz reibungslos, weshalb die Hersteller Empfehlungen für bestimmte Produkte aussprechen. Auf der anderen Seite setzen Anbieter auf ihre eigene Funktechnik, auf „Herstellersysteme“, um Probleme im Betrieb und bei der Anmeldung von Geräten zu vermeiden. Das heißt: Nur Produkte derselben Marke oder solche, die vom Anbieter freigegeben sind, kommen als Partner für die Smart-Home-Zentrale in Frage. Das schränkt die Auswahl ein, garantiert aber oft eine zuverlässigere Funktion.

“Um das Potenzial von intelligenten Heizsystemen voll auszuschöpfen, sollten Nutzer auf einen hohen Funktionsumfang achten“, sagt Bindner. Neben der Anzahl beheizter Räume und der Größe der Wohnfläche wäre es daher wichtig den persönlichen Standort, typische Tagesabläufe, geöffnete Fenster und lokale Wetterdaten zu berücksichtigen. „Beim Preis sollten nicht nur einmalige Anschaffungskosten für die Hardware, sondern auch eventuelle Abopreise für die App berücksichtigt werden, da sich diese über einen längeren Zeitraum durchaus bemerkbar machen”, rät Bindner.