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Haushaltsgeräte: Revolution des Alltags

Haushaltsgeräte haben nicht nur technologische Meilensteine gesetzt, sondern auch gesellschaftliche Entwicklungen geprägt. Heute sind die vielen elektrischen Helfer integraler Bestandteil des Alltags, übernehmen oft unliebsame Aufgaben und leisten damit ihren Beitrag zur ganz individuellen Freiheit.

Constructa Bildquelle: © BSH Hausgeräte GmbH

Die "Constructa" war der erste Vollwaschautomat aus deutscher Fertigung. Er kostete 2.280 D-Mark und verbrauchte 225 Liter Wasser pro Waschgang.

Der deutsche Markt für Haushaltsgeräte brummt. Allein 2017 erreichte er einen Gesamtumsatz von 14,6 Milliarden Euro, wie die Analysten von Euromonitor errechneten. Seit 2013 ist das Volumen damit nochmals um zwei Milliarden Euro gewachsen, was nicht nur für die guten Geschäfte der zahlreichen deutschen Traditionshersteller wie AEG, Siemens, Bosch, Miele, Liebherr oder Bauknecht spricht, sondern aufzeigt, welchen Status sich die elektronischen Helfer im Alltag über die vergangenen Jahrzehnte hinweg erarbeiten konnten. Angeführt wird diese Omnipräsenz in den deutschen vier Wänden durch den Kühlschank, der hierzulande laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes in 99,9 Prozent der Haushalte zu finden ist, die Waschmaschine brachte es 2017 auf beachtliche 96,4, die Kaffeemaschine auf 84,7 Prozent. Schlusslicht, mit einem nichtsdestotrotz imposanten Verbreitungsgrad, bildet in der Auflistung der Bundesbehörde der Wäschetrockner mit 42,2 Prozent.

Eine Welt ohne Weiße Ware ist kaum mehr vorstellbar, nur die wenigsten Anwender dürften ein ausgeprägtes Interesse daran haben, die eigene Waschmaschine gegen einen Waschzuber oder den Kühlschrank gegen einen Eisbeutel einzutauschen. Ein Siegeszug, der sich allem voran über die vergangenen 70 Jahre zurückverfolgen lässt. So kam 1951 mit der „Constructa“ die erste vollautomatische Waschmaschine Deutschlands inklusive des heute bekannten Bullauges auf den Markt. Eine Revolution – mit Abstrichen. Immerhin kostete das Gerät damals für die meisten Konsumenten unerschwingliche 2.280 D-Mark und schluckte pro Waschgang rund 225 Liter Wasser. Darüber hinaus musste die Constructa mit starken Schrauben auf einem Betonsockel verankert werden, da die rotierende Trommel für reichlich ungewollte Bewegung sorgte.

Zehn Geräte am Tag
Eine bahnbrechende Idee mit einigen Startschwierigkeiten. Dass zu Beginn jedoch nur kleine Stückzahlen vertrieben wurden, daran soll nicht der hohe Preis, sondern die damalige Produktionsweise Schuld tragen, die in den Anfangstagen noch „einer kleinen Manufaktur“ glich. Selbst drei Jahre nach Markteinführung montierte der Hersteller lediglich zehn Geräte am Tag, wie BSH auf der eigenen Webseite erklärt. Das Münchner Unternehmen war dennoch überzeugt von der Idee und übernahm Constructa am 30. Juni 1961 – damals jedoch noch unter dem Namen Siemens Electrogeräte AG. Zu diesem Zeitpunkt erreichte die Produktion bereits 20.000 Wasch- und Trockenautomaten im Monat, Constructa beschäftigte damals 3.500 Mitarbeiter.

Der Erfolg des Kühlschranks begann hingegen – zumindest jenseits des Atlantiks – deutlich früher. Maßgeblich war das von Carl von Linde entwickelte Linde-Verfahren, das die technische Erzeugung von Kälte ermöglichte und den Menschen ab dem späten 19. Jahrhundert zusehends unabhängig von natürlichem Eis machte. Zwar gab es bereits in den 1830er-Jahren erste vermarktete Kühlschrank-Modelle, die von Alexander Twinning entwickelt wurden und auf der Kompression von Luft basierten. Aber erst das Linde-Verfahren und anschließend gefundene Alternativen für den bis dato eingesetzten Ammoniak machten die Geräte für den Massenmarkt interessant und etablierten sie in Privathaushalten: Zwischen 1920 und 1940 stieg die Verbreitung in den USA rasant an, Ende der 30er-Jahre gehörte der Kühlschrank bereits in jedem zweiten Haushalt zum Inventar.