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Zahlungsmethoden: Mobile Payment kommt – aber erst morgen

Deutsche Kunden bevorzugen eher klassische Zahlungsmittel, Bargeld und Kartenzahlung sind nach wie vor hoch im Kurs. Doch ein Blick ins Ausland zeigt, welches enorme Potenzial Mobile-Payment-Systeme mit sich bringen.

Mobile Payment Bildquelle: © Wang Tom-123rf

Es köchelt schon seit langem im öffentlichen Diskurs, denn vielen Finanzexperten und dem einen oder anderen Politiker ist es ein Dorn im Auge – doch es bleibt des Deutschen liebster Schatz: das Bargeld. Schon seit einigen Jahren wird mal mehr, mal weniger offensiv über die endgültige Abschaffung von Scheinen und Münzen diskutiert und das nicht nur, weil das Portemonnaie am Monatsanfang gar so schwer in der Hosentasche lastet. Unter anderem führte die Europäische Zentralbank für den Abschied vom 500-Euro-Schein vor wenigen Monaten ins Feld, dass sich auf diesem Weg die Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit wirksam bekämpfen ließe. Darüber hinaus ist Bargeld weiterhin, selbst mit immer ausgefeilteren Sicherheitsmechanismen,  ein beliebtes Ziel von Fälschern. Und nicht zuletzt lässt sich der unter dem Bett versteckte Sparstrumpf im Gegensatz zu Spareinlagen und anderen Geldanlagen in Zeiten einer schwachen Konjunktur kaum mit Negativzinsen belegen, um für höhere Investitionsbereitschaft zu sorgen und somit die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Nüchtern betrachtet gibt es sicherlich zahlreiche Gründe für einen endgültigen Abschied vom Bargeld – viele Deutsche halten hingegen besonders im Handel treu an Schein und Münze fest. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des Forschungs- und Beratungsinstituts EHI Retail Institute wurde 2018 mit 48,3 Prozent nach wie vor ein großer Anteil der Umsätze in bar bezahlt. Das verwundert kaum, immerhin ist an der Ladenkasse „die Barzahlung noch immer das schnellste und kostengünstigste Zahlungsmittel“, wie Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann sagt. Laut EHI und Deutscher Bundesbank dauert der gänzlich analoge Prozess rund 22 Sekunden – die Kartenzahlung bringt es mit PIN-Eingabe auf 29, mit Unterschrift sogar auf stolze 39 Sekunden.

Deutschland greift zur Karte
Trotz einiger Vorzüge bröckelt die Vorherrschaft des Bargeldes in deutschen Ladengeschäften aber massiv, denn auf dessen 48,3 Prozent Umsatzanteil kamen 2018 48,6 Prozent für die Kartenzahlung. Erstmals griffen die Deutschen im vergangenen Jahr also lieber zu Girocard und Co., um Einkäufe im stationären Handel zu begleichen. Ein Trend, der sich fortsetzen könnte, je mehr Unternehmen in eine entsprechende Zahlungsverkehr-Infrastruktur investieren. Denn nach wie vor ist längst nicht jeder Händler mit einem Kartenterminal ausgerüstet, sei es aufgrund der Anschaffungskosten, oder aber auch aufgrund der Sorge, hohe Transaktionsgebühren tragen zu müssen.

Bargeld muss dennoch zukünftig weiter der Karte weichen. Trotz des Siegeszuges des bargeld- und kontaktlosen Zahlens fällt eine Methode in der EHI-Studie aber hauptsächlich durch ihre Abwesenheit auf: Mobile Payment. Dabei ist der Bezahlvorgang via Smartphone weltweit auf dem Vormarsch. So hat beispielsweise Alipay, das Online-Bezahlsystem der chinesischen Alibaba Group, rund um den Globus mehr als eine halbe Milliarde Nutzer. Auch in deutschen Geschäften kommt die Lösung schon zum Einsatz. Die Zielgruppe sind dabei aber weniger die heimischen Käufer, als vielmehr chinesische Touristen, die ihr gewohntes Zahlungsmittel auch gerne im Ausland nutzen. Alipay ist aber nicht überall die Lösung der Wahl. Besonders in vielen afrikanischen Märkten setzen zahlreiche Kunden hingegen auf M-Pesa. Das 2007 von Vodafone und Safaricom gestartete Bezahlsystem hat rund 30 Millionen Nutzer und ist in zehn Ländern verfügbar. Darunter neben Ägypten, Kongo, Ghana und Kenia auch die beiden europäischen Länder Albanien und Rumänien.