Smart Home: Intelligentes Wohnen im Alter

Smart Home-Anwendungen sind nur etwas für junge, technikaffine Leute? Mitnichten. Ob Lichtsteuerung per Bewegungsmelder, automatisierte Fensteröffner oder eine Erinnerung an die Medikamenteneinnahme – Ambient Assisted Living unterstützt ältere Menschen dabei, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Smart Wohnen Bildquelle: © Dean Dronot-123rf

Die Akzeptanz für Smart-Home-Anwen-dungen unterscheidet sich über die verschiedenen Alterssegmente hinweg immer noch stark. Während jüngere Verbraucher den neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen sind, herrscht bei den älteren Generationen eher Skepsis. Dabei kann die Aufrüstung der Wohnung oder des Hauses vor allem mit zunehmendem Alter ein unabhängigeres Leben ermöglichen und die Unterbringung in Altersheimen vermeiden beziehungsweise verzögern. “Noch ist der Smart-Home-Markt gerade bei der älteren Zielgruppe zwar nicht mehr als eine Nische – wie sich aber immer wieder zeigt, bietet diese Nische enormes Potenzial2, fasst Tim Lange, Vorstand bei Casenio, die derzeitige Marktlage zusammen. Eine Prognose, die auch die Studie “Der deutsche Smart Home-Markt 2017-2022” von Arthur D. Little unterstreicht: Bis 2022 soll das Smart-Home-Segment “Gesundheit und betreutes Wohnen”, angetrieben vom demografischen Wandel und dem zunehmend älteren Bevölkerungsdurchschnitt, um 57,8 Prozent wachsen.

Vielen älteren Menschen ist es wichtig, ein eigenständiges Leben in ihren eigenen vier Wänden zu führen. “Gleichzeitig entwickeln sie manchmal aber auch ein wachsendes Sicherheitsbedürfnis – gerade wenn sie alleine wohnen”, erklärt Hartwig Weidacher, Geschäftsführer bei MyGekko, die Problematik. Ambient
Assisted Living – altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben – bietet die Möglichkeit, selbstständig zu bleiben. Auch der gezielte Einsatz von Smart-Home-Anwendungen, die nicht speziell auf ältere Generationen angelegt sind, kann die Sicherheit in verschiedenen Bereichen wieder zurückgeben.

Kleine Tricks mit großer Wirkung
Bewegungs- und Präsenzmelder im Innen- und Außenbereich der Wohnung und des Hauses dienen zur Absicherung vor Einbrechern, aber auch der physischen Sicherheit der Bewohner. Präsenzmelder verfügen über einen hochempfindlichen Sensor, der bereits minimale Veränderungen registriert. Im Innenbereich eingesetzt, kann er dort beispielsweise im Wohnzimmer gänzlich den Lichtschalter ersetzen. Der Bewegungsmelder hingegen reagiert auf größere Veränderungen im Wärmebild und eignet sich daher in Bereichen, wo er auf das Gehen reagiert oder im Außenbereich. An diesen lassen sich sowohl Lichtquellen als auch Kameras zur Abschreckung und Aufzeichnung möglicher Einbrecher koppeln. Im Eingangsbereich beziehungsweise Flur eingesetzt, entfällt das Suchen im Dunkeln nach einem Lichtschalter nachts oder beim Heimkommen, denn Unfälle und Stürze ereignen sich oftmals nachts auf dem Weg ins Bett oder ins Bad, da kein Licht eingeschaltet wurde. “Dem Sicherheitsbedürfnis gerecht wird auch eine Panik-Taste: Über diesen Schalter können ältere Menschen in Gefahrensituation – zum Beispiel wenn sie das Gefühl haben, dass noch jemand im Haus ist – schnell reagieren”, ergänzt Weidacher. Mit nur einem Tastendruck könne der Anwender beispielsweise alle Lichter im Haus anschalten, Rollläden nach oben fahren oder die Videoüberüberwachung einschalten.

Auch gegen Unsicherheiten beim Verlassen des Hauses beugen Smart-Home-Lösungen vor: Beleuchtung, Herd, Heizung, Waschmaschine und selbst das Bügeleisen lassen sich so regeln, dass sie beim Weggehen automatisch ausgeschaltet werden. Zudem lässt sich eine Fenstersteuerung installieren, damit offen gelassene Fenster automatisch schließen – Lösungen, die nicht nur das Sicherheitsgefühl steigern, sondern auch Strom- und Heizkosten sparen. Wichtig bei all diesen Lösungen ist zudem, dass der Anwender nach einmaliger Installation zur Bedienung nicht mehr auf Smartphones oder Computer zurückgreifen muss. Somit wird gerade nicht technisch affinen Menschen das Erlernen neuer Technik oder die Anschaffung zusätzlicher Geräte erspart.