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Interview: „Smart Homes werden zur Standard-Elektroinstallation“

Vom Heizkörperthermostat bis zum Kühlschrank – die Zahl der vernetzten Geräte auf dem Markt steigt kontinuierlich. Johannes Hauck, stellvertretender Vorsitzender des Lenkungskreises der Wirtschaftsinitiative Smart Living, über das Potenzial der Anwendungen und die Schwierigkeiten für Händler.

Johannes Hauck Bildquelle: © Wirtschaftsinitiative Smart Living

elektrobörse-handel: Herr Hauck, welches Potenzial hat der Smart Home-Markt?
Johannes Hauck: Diverse Marktprognosen weisen auf einen großen Smart-Home-Markt mit enormen Wachstumsraten hin. Beispielhaft sei eine aktuelle Untersuchung des Internetverbands Eco und der Unternehmensberatung Arthur D. Little genannt, die bis 2022 in Deutschland eine jährliche Wachstumsrate von 26,4 Prozent sowie ein Smart-Home-Marktvolumen in Höhe von 4,3 Milliarden Euro prognostiziert.
Die allgemeine Digitalisierung des Lebensumfeldes, sowie die stetig steigenden Anforderungen an Gebäude im Hinblick auf Energieeffizienz, Komfort oder Sicherheit, treiben die Entwicklung der Technologien voran. Allgemein anerkannt ist, dass Smart-Home-Lösungen einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen wie der Energiewende, der alternden Gesellschaft oder des gestiegenen Sicherheitsbedürfnisses.

Hinsichtlich des hiesigen Wirtschaftsstandorts ist zudem zu betonen, dass Unternehmen aus Deutschland, und hierbei besonders kleine und mittelständische Firmen, in vielen Bereichen von Smart Living sehr gut positioniert sind und oft zu den „Hidden Champions“ in ihren Segmenten gehören. Diese Stärken und bestehenden Wertschöpfungsanteile heißt es angesichts der Digitalisierung zu sichern. Der digitale Wandel wird die Märkte entscheidend verändern und auch das Engagement einiger IT-Giganten im Smart-Living-Markt maßgeblich prägen.

elektrobörse-handel: Datenschutz, Interoperabilität und hohe Preise – wie schätzen Sie die Entwicklungen ein?
Hauck: Ich sehe die genannten Bereiche nicht als Nachteile, sondern als Herausforderung und Chance, die Produkte kontinuierlich zu verbessern. Hinsichtlich der Interoperabilität sehe ich allerdings in der Tat eine Gefahr bei den fehlenden Standards, die ein einheitliches Miteinander von Smart-Home-Systemen und -Plattformen ermöglichen. Hier gibt es jedoch ermutigende Konsolidierungsbestrebungen.

Das Thema Datenschutz wird von Herstellern und Anbietern in Deutschland sehr ernst genommen. Hier fließen beachtliche Bemühungen der Unternehmen ein, sei es bei den Verschlüsselungstechniken oder der Aufklärung des Nutzers im Hinblick auf den richtigen Umgang mit seinem smarten Zuhause. Auch wenn bei vernetzbaren Systemen immer ein kleines Restrisiko bestehen kann, so sind die existierenden Smart-Home-Lösungen deutlich sicherer, als es die Berichterstattung vermuten lässt.
Im Hinblick auf die derzeit teilweise wahrgenommenen hohen Preise von Smart-Home-Produkten sei betont, dass es sich um einen noch recht jungen Markt handelt. Mit steigender Anzahl von Anbietern und Lösungen am Markt, wachsender Nachfrage und einen sich dadurch verstärkenden Wettbewerb werden auch einhergehende Skaleneffekte zu günstigeren Preisen führen.