Sie sind hier: HomeZusatzgeschäftTelekommunikation

Best-Practices der lokalen Markenführung: "Der Konsument von heute ist eine Katze"

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Verbindung von Online und Offline

Wie wichtig der stationäre Handel ist, unterstrich auch Felix Hentzen, Strategic Partner Development Manager bei Google Germany. Google will die Lücke zwischen Online und Offline schließen. „Für uns gibt es nur Omnichannel“, erklärte Felix Hentzen. Nutzer schauen rund 150 Mal am Tag auf ihr Smartphone. Da gilt es, sie im richtigen Moment zu erreichen. Das sei gar nicht so schwer. Schließlich hinterlassen User messbare Signale, die Unternehmen auswerten sollten, um Werbung zielgerichtet ausspielen und Kaufentscheidungen durch Gutscheine oder ähnliches beeinflussen zu können. Zudem zeigte Felix Hentzen, was in Sachen Omnichannel heute schon möglich ist: Unternehmen können messen, wie viele User Kontakt zu einem Google-Produkt, wie etwa einem Eintrag in Google My Business oder YouTube-Video, haben und daraufhin einen stationären Laden besuchen. „Marken müssen ihre Kunden dort erreichen, wo sie sind: im lokalen Markt“, sagte Felix Hentzen.

Neu denken und Veränderung wagen
Wie es gelingt, lokale Partner zu aktivieren, haben Michael Liehr, Leiter Marketing Deutschland von Stihl, Andreas Schnell, Leiter Partnerprogramme bei Somfy, und Jens Gorr, Geschäftsführer von E-masters, gezeigt. Für erfolgreiche Partnerprogramme sind die Fachhändler von Beginn an mitzunehmen und langfristig zu begeistern. Dass auch eine Weltmarke wie Coca-Cola auf lokale Partnerschaften setzt, erläuterte Nicole Adler von Coca-Cola European Partners. Bewährte Geschäftsmodelle zu transformieren, dafür plädierte Futurist Sven Göth. Nur wenn Marken die technologischen Möglichkeiten ausschöpfen, können sie sich zukunftssicher aufstellen. Beispiele wie der rasante Aufstieg von Netflix zeigen, dass auch Marktführer den Anschluss verlieren, wenn sie ihr Geschäftsmodell nicht disruptiv transformieren. Anstatt Netflix frühzeitig ein Übernahme-Angebot zu machen, hat die Hollywood-Filmindustrie in stationäre Videotheken investiert. Sich mit Technologien wie Künstliche Intelligenz oder der Hololens auseinanderzusetzen und zu akzeptieren, dass die Entwicklung nie mehr wieder so langsam wie heute(!) fortschreiten wird, sei erfolgsentscheidend. Vor diesem Hintergrund müssen Marken mit ihren Kunden vernetzt sein und ihnen individuelle Angebote in Echtzeit unterbreiten. Sprachassistenten werden zukünftig Waren selbstständig online bestellen. Dem Kunden ist egal, wo sie das tun – Hauptsache, sie erhalten die Bestellung schnell und zu einem guten Preis. Schon heute können Bots nach einer passenden Versicherung suchen und sie direkt abschließen.

Thomas Öttinger, Marcapo Bildquelle: © Marcapo

Thomas Ötinger ist geschäftsführender Gesellschafter von Marcapo, Spezialist für lokale Markenführung und Marketingportale und Mitglied der Local Branding Alliance sowie auch Initiator des Local Branding Day.

Die Perspektive wechseln
Was ist zu tun? Marken sollten sich auf alte Werte besinnen. „Physische Nähe wird zum entscheidenden USP“, sagte Sven Göth. Menschliche Beziehungen seien enorm wichtig. „Nur wenn die Mitarbeiter eine Marke leben, können sie erstklassigen Service bieten. Der Point-of-Sale wird zum Point-of-Service“, führte der Futurist weiter aus. Unternehmenserfolg wird zukünftig davon abhängen, ob Unternehmen transparent handeln und kommunizieren, um das Vertrauen ihrer Kunden zu gewinnen – und damit ihre Daten freiwillig zu erhalten. „Die Zukunft ist eine Frage der Perspektive“, schloss Sven Göth. „Es ist Zeit, einen neuen Blickwinkel einzunehmen.“

Hintergrund: Local Branding Day
Der Local Branding Day gilt als Deutschlands größter Kongress für lokale Markenführung. Veranstalter ist die Local Branding Alliance, ein Netzwerk aus Marketing- und Werbespezialisten, das Unternehmen mit lokalen Absatzpartnerstrukturen ganzheitliche Lösungen für die lokale Markenführung aus einer Hand bietet. Den Local Branding Day hat das Netzwerk am 2. April 2019 in Bonn bereits zum vierten Mal veranstaltet. Auch im nächsten Jahr können sich Marketingverantwortliche am 28. April 2020 über die Mega-Trends der lokalen Markenführung informieren. Neben Vorträgen und Best-Practices von Pionieren der lokalen Markenführung werden erneut zahlreiche Workshops die Gelegenheit bieten, in verschiedene Themen tiefer einzutauchen und sich mit erfahrenen Experten auszutauschen.