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Trustpilot-Umfrage: Warum schlechte Bewertungen gut fürs Geschäft sein können

"Es ist nicht alles Gold, was glänzt" denken sich Verbraucher immer öfter, wenn sie beim Checken von Kundenmeinungen zu einer Firma ausschließlich auf 5-Sterne-Ratings stoßen. Denn entgegen der Vermutung vieler Anbieter sind es eben nicht immer negative Bewertungen, die Misstrauen hervorrufen.

Neue Mitarbeiter stellen sich manchmal als Fehlbesetzung heraus. Bildquelle: © Billion Photos | Shutterstock

Der Trustpilot-Studie zufolge reagieren die meisten Deutschen eher skeptisch, wenn ein Unternehmen ausschließlich positive Bewertungen aufweist. Stattdessen schätzen sie umso mehr die negativen Rückmeldungen, um ihre eigene Kaufentscheidung zu treffen.

Trustpilot Studie Bildquelle: © Trustpilot

Ergebnis zu Frage 1 der Trustpilot-Umfrage, durchgeführt im Juli 2018: Vertrauen Sie einem Unternehmen weniger, wenn es ausschließlich positive Bewertungen aufweist? (1.124 Teilnehmer)

"Zu wenig Auswahl", "keine Kartenzahlung möglich", "humorloser Verkäufer" – vielen Unternehmen und Dienstleistern kommen 1- bis 2-Sterne-Ratings im Internet noch immer einer Katastrophe gleich, da sie der Überzeugung sind, nur mit absoluter Perfektion bei Verbrauchern punkten zu können.

Verbraucher misstrauen Perfektion
Eine Umfrage der Bewertungsplattform Trustpilot unter deutschen Verbrauchern beweist nun allerdings das Gegenteil und belegt, dass negative Online-Rezensionen nicht unbedingt schlecht fürs Geschäft sein müssen. Von den über 1.100 Befragten gaben fast 57 Prozent an, weniger Vertrauen in Unternehmen zu haben, die ausschließlich 4- und 5-Sterne-Bewertungen aufweisen. Ganz nach dem Motto „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ werden Verbraucher bei scheinbar makellosen Onlineshops eher misstrauisch.

Zudem waren 72 Prozent der Befragten der Meinung, dass es für sie vor einem Kauf informativer ist, negative (1- oder 2-Sterne-)Bewertungen zu lesen, als positive (4 oder 5 Sterne). Dies macht vor allem deutlich, dass Sterne-Vergaben allein heutzutage vielen Verbrauchern nicht mehr ausreichen, um sich über ein Unternehmen zu informieren. Insbesondere bei negativen Ratings möchten sie genau wissen, was eine Person zu dieser Bewertung bewegt hat. Denn so können sie anschließend besser entscheiden, inwiefern diese die eigene Entscheidung beeinflusst. Denn was für den Einen ein Problem ist, kann für einen Anderen völlig irrelevant und manchmal sogar ein Argument für den Kauf sein.

Die Mischung macht’s
Das bedeutet natürlich nicht, dass Unternehmen von nun an negative Rezensionen einfach ignorieren, oder es gar auf negative Bewertungen anlegen sollten, nur um ein abwechslungsreiches Online-Profil vorzuweisen. Vielmehr geht es um Transparenz und den Mut, neben den guten auch die weniger positiven Rückmeldungen zu zeigen – und klar zu machen, dass man sich stetig verbessert.

„Jedes Geschäft, das online tätig ist, wird irgendwann auch einmal negative Bewertungen erhalten. Fehler passieren nun mal und auch Verbraucher wissen, dass es so etwas wie ein perfektes Unternehmen nicht gibt“, erklärt Paul Steele, Director of Sales für die DACH-Region bei Trustpilot. „Anbieter mit durchweg positiven Kundenbewertungen sind den meisten Menschen suspekt. Es kommt tatsächlich auf die Mischung an: Ein guter Mix von sowohl positiven als auch negativen Bewertungen ist einfach glaubwürdiger und zeigt, dass das jeweilige Unternehmen nichts zu verbergen hat.“

Statt krampfhaft negative Rezensionen zu vermeiden oder sogar Löschungen anzustreben, sollten Unternehmen ihren Fokus lieber darauf legen, vorbildlich mit dem Feedback unzufriedener Kunden umzugehen. So kann Kritik im Umkehrschluss sogar einen positiven Effekt haben, da es Unternehmen ermöglicht, auf ihre Kunden zuzugehen, ihnen zuzuhören und Verbesserungen anzustoßen. Sowohl neue als auch bestehende Kunden wissen diesen offenen und ehrlichen Austausch zu schätzen.